"19 minuten" von jodi Picoult.
in dem buch geht es um einen jugendlichen der innerhalb von 19 minuten zehn seiner mitschueler und einen lehrer in seiner highschool erschießt.
das buch war spannend - so spannend, dass ich es innerhalb von drei tagen durchgelesen habe. es war eine fiktive geschichte, aber dennoch sehr realitaetsnah. es ist einfach ein verdammt gutes buch, welches auch verdammt traurig ist. es versucht dem leser die beweggruende eines amoklaeufers naeher zu bringen (was eigentlich unmoeglich ist) und am ende steht die frage im raum "koennte es auch bei mir passieren? koennte ich zur falschen zeit am falschen ort sein?" und die frage die sich jeder nach einem amoklauf fragt: "warum?"
und genau dieses -warum- versucht picoult zu beantworten.
die hintergrundgeschichte wird sehr detailreich beschrieben und man bekommt fast mitleid mit dem amoklaeufer. (aber wirklich nur fast, denn man versteht, wie er sich jahrelang gefuehlt hat, wenn seine mitschueler ihm zB die hose runtergezogen haben, oder seine schulsachen kaputt gemacht haben). der folgende prozess kann der leser verfolgen und wie das leben der betroffenen weitergeht erfaehrt er ebenfalls.
ein textausschnitt aus "19 minuten", der doch irgendwie zutreffend ist, oder nicht?
alle jungs und maedchen wollen beliebt sein, aber keiner von uns wuerde das zugeben. wenn wir es zugeben wuerden, waeren wir schon weniger cool. um richtig beliebt zu sein, muss es so aussehen, als waerst du es ganz einfach, doch die wahrheit ist, du machst dich beliebt. einen anstrengenderen job gibt es wahrscheinlich gar nicht. ich meine, selbst fluglotsen und der praesident machen mal ferien, aber wir an der highschool arbeiten das ganze schuljahr hindurch rund um die uhr daran, beliebt zu sein. und wie kommst du in die erlauchten kreise? tja, das ist gerade der haken: es liegt nicht an dir. entscheidend ist, was die anderen davon halten, wie du dich kleidest, was du zum lunch isst, welche sendungen guckst, was fuer musik du auf deinen iPod hast.
aber eine frage hat mich schon immer beschaeftigt: wenn nur die meinung der anderen zaehlt, kannnt du dann ueberhaupt noch eine eigene haben?
und ueber diese letzte frage, habe ich in meinem einwoechigem urlaub stark nachgedacht. zwar in einem anderen bezug, aber ungefaehr passt es.
man zieht das an was man gewohnt ist, weil man sich nur so kennt. man hoert die musik die man gewohnt ist, weil man sie in und auswendig mitsingen kann. man unternimmt nur mit den leuten was, die man gut kennt, weil es die freunde sind.
aber was wuerde passieren wenn man es anders machen wuerde? waer es wirklich so schlimm? ist es nicht spannend, mal andere anziehsachen zu kaufen oder andere musik zu hoeren oder mit leuten, die man nicht so gut kennt etwas macht?
also zaehlt die meinung anderer leute doch zu sehr? ich habe keine ahnung.
eine weiter textstelle aus "19 minuten"
schadenfreude ist das vergnuegen am leiden anderer, aber die eigentliche frage ist doch, warum bereitet uns das freude? ich glaube, zum teil aus selbstschutz, zum teil aber auch, weil eine gruppe sich immer mehr als gruppe fuehlt, wenn sie einen gemeinsamen feind hat. da spielt es keine rolle, ob dieser feind dich ueberhaupt je mit irgendwas verletzt hat - du musst einfach so tun, als wuerdest du jemanden noch mehr hasse, als du dich selbst hasst.
diese stelle hat mich wirklich mitgenommen, denn diese zeilen haben bei mir etwas wie mitgefuehl ausgeloest. (die textstellen stammen aus der sicht des amoklaeufers.)
wie ihr merkt: mich hat das ganze buch sehr mitgenommen.
aufgrund des buches habe ich dann im internet nach "realen" amoklaeufen recherchiert und dieses video bei youtube gefunden. es ist eines der schrecklichsten videos, die ich seit langem gesehen habe. gaensehaut pur.
http://www.youtube.com/watch?v=0jcNXqb2Kf4
(quelle: youtube.com)
1999 war ich noch zu klein um das alles zu verstehen, selbst wenn ich es im fernsehen gesehen haette. als zwei jahre spaeter zwei flugzeuge in die gebaeude stuerzten verstand ich es ebenfalls nicht.
jetzt - 9 jahre spaeter versteh ich es immer noch nicht, obwohl man jetzt das hintergrundwissen hat. aber verstehen wird man so etwas nie.
und die menschen fragen sich wieder, warum?
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